Die Jahrtausendwende zum 2. Jhd.
Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert vollzog sich in Hauset ein erster Schritt in ein neues Zeitalter. Die Rheinprovinz, der Regierungsbezirk Aachen, der Kreis Eupen und auch die Bürgermeisterei Hergenrath mit der Gemeinde Hauset gehörten seit 1815 zu Preußen. Die Menschen hatten zunächst der „guten alten
Zeit“ unter Maria Theresia nachgetrauert, fühlten sich dann jedoch dem Königreich Preußen, danach dem Deutschen Kaiserreich zugehörig. Am Aachener Busch und am Hauseter Weg entstand eine Villenkolonie und auch das Textilgewerbe entlang der Göhl kannte eine gewisse Blütezeit. Das Dorf war allerdings nach wie vor landwirtschaftlich geprägt. Das Vereinsleben und das Kirchenleben kamen zu einer bis dahin nicht gekannten Entfaltung.
Seit 1851 wurden die Einwohnerzahlen von Hauset und Hergenrath in dem Gemeindebuch von Hergenrath getrennt ausgewiesen. Alle zehn Jahre betrachtet waren die Einwohnerzahlen von Hauset wie folgt:
1851 511 Einwohner 1891 744 Einwohner
1861 607 Einwohner 1901 834 Einwohner
1871 666 Einwohner 1905 871 Einwohner
1881 727 Einwohner 1911 944 Einwohner
In diesen sechzig Jahren stieg also die Bevölkerung von Hauset stetig, auch wegen hoher Geburtenzahlen, aber vor allen Dingen durch Zuwanderung. Im Jahr 1902 hatte die Gemeinde Hauset 886 Einwohner. Wie die Statistik im Gemeindebuch von Hergenrath ausweist, waren 442 Männer und 444 Frauen. In dem Jahr hatte es 12 Todesfälle gegeben, 8 Männer und vier Frauen. Es gab in 1902 nur eine Trauung. Die Elementarschule besuchten 155 (!) Kinder, 90 Knaben und 65 Mädchen.
Der Vollständigkeit halber sei auch der Viehbestand genannt: Es gab in Hauset 37 Pferde, 819 Rinder,
2 Schafe, 17 Ziegen und 223 Schweine.
Die soziale Struktur in Hauset um 1902
Der überwiegende Teil der Bevölkerung waren Landwirte, Männer oder Frauen, insgesamt zählte man 47. Die zweitgrößte Gruppe waren die Tagelöhner, hier sind im Verzeichnis 37 vermeldet. Man darf vermuten, dass die Tagelöhner auch in der Fabrik Bischoff & Bohlen sowie in den Ziegeleien Finken und Heutz arbeiteten.
Geschäfts- und Gewerbetreibende gab es folgende:
Anstreicher: einer (Geelen, Flög);
Bäcker gab es deren fünf: Gatz Hermann Joseph, Kockartz Hubert, Verkenskull, Kockartz Peter Joseph, Vestert; Stephan Lünemann, Geul (gegenüber Gatz); Andreas Vecqueray, Windmühle.
Gast- und Schankwirtschaften: Gatz Hermann Josef (Geul); Gatzweiler Johann (Vestert: „Am Treppchen“); Kockartz Peter Joseph (Vestert); Knops Eduard (Landstrasse - Aachenerstrasse); Timmermann Wilhelm (Brennhag); Tychon Wilhelm (Landstrasse); Vecqueray Andreas (Windmühle); Zimmermann Nikolaus (Landstrasse).
Es gab zwei Holzhändler: Königshoven Franz (Landstrasse); Zimmermann Nikolaus (Landstrasse)
Hufschmiede gab es einen: Hansen Jakob (Vestert)
Kleidermacherin war eine Einwohnerin: Therese Cool, Schallenberg.
Maurermeister war einer: Simon Pitz, Mühlenheid.
Pliesterer waren deren zwei: Klinkenberg Hubert (Frepert); Radermacher Franz (Freyend)
Schreiner war ein Einwohner: Joseph Pabst, Vestert.
Schumacher gab es deren vier: Hamel Johann (Schallenberg); Jacobs Nicolas (Buchenbusch); Kriescher
Theodor (Botzefeld); Wilhelm Savelsberg (Brandheidchen).
Colonial- und Materialwarenhandlungen und Spezereien gab es insgesamt vier: Hüpgens Laurenz (Geul); Kriescher Theodor (Botzefeld); Kockartz Peter Joseph (Vestert); Taeter Theodor (Vestert).
Spinnereien gab es zwei: Bischoff & Bohlen (Fingerhutsmühle); Kinna Wilhelm (Kupfermühle).
Ziegeleibesitzer gab es ebenfalls zwei: Gebr. Finken (Landstrasse); Heutz Arnold (Landstrasse)
Unter der werktätigen Bevölkerung gab es neben den bereits erwähnten 37 Tagelöhnern noch folgende Berufe: acht Weber, sechs Spinner, 3 Maurer, 3 Dachziegelarbeiter, 3 Bahnwärter, zwei Bahnarbeiter, 3 Bergmänner, 1 Culturarbeiter (?), 5 Fabrikarbeiter, ein Färber, drei Fuhrknechte, 1 Gärtner, ein Handelsmann, ein Händler, 7 Haushälterinnen oder Hauswirtinnen, 1 Kaminbauer, ein Lumpensammler, ein Maschinenheizer, ein Pflastersteinhauer, 1 Steiger, 1 Waldarbeiter, ein Zimmergeselle.
Im öffentlichen Dienst standen: 1 Gemeindeförster, ein Gemeindevorsteher, ein Pfarrer, ein Lehrer und eine Lehrerin, ein Küster, ein Polizeidiener.
Die Kirchenverwaltung bestand aus dem Pfarrer Wilhelm Schoelgens, dem Küster und Organisten Wilhelm Moll und dem Kirchenrendanten Peter Joseph Scheiff.
Der Kirchenvorstand setzte sich wie folgt zusammen: Peter Joseph Bohlen, Edgar Keutgen, Heinrich Radermacher, Peter Scheiff, Mathias Schmetz und Nikolaus Zimmermann.
Das Schiedmannsamt hatten inne: Nikolaus Joseph Laschet als Schiedsmann und Wilhelm Timmermann als
Stellvertreter.
Im Schulwesen waren tätig: der Ortsschulinspector Wilhelm Schoelgens (Pfarrer), Lehrer war Wilhelm Kirfel, Lehrerin war Petronella Victor.
Das Einwohnerverzeichnis von hauset von 1902 ist hier über drei Seiten wiedergegeben. Die Straßen- und Flurnamen mit den Hausnummern erlauben es, die einzelnen Gebäude wieder zu finden. Die Karte von 1905 ist jedoch nur unvollständig, man kann durchaus die Auszüge aus dem Kataster von 1895, also sieben Jahre vorher, zu Rate ziehen.