Von den Franken bis zu den Karolingern

Die Franken in Gallien - Karl der Große - Die Karolinger

Die Zeit der Völkerwanderung 

Die Völkerwanderungszeit  in Mitteleuropa vollzog sich von 200 bis 500 nach Christus. Die germanischen Stämme fielen ab dem Jahr 200 regelmäßig ins römische Reich ein und siedelten auch bereits vor dem Ende des Weströmischen Reiches gegen Ende des 5. Jhd. in Gallien.

 

Die Karte zeigt den Verlauf einiger dieser Wanderbewegungen jener Zeit. Für unser Gebiet, oder besser gesagt in Gallien, fielen die Hunnen ein, aber auch die Vandalen, die aber weiter bis Aquitanien zogen und dann sogar durch Spanien Richtung Afrika bis hin nach Sizilien und Sardinien. Die Hunnen zogen auch über den Balkan her. Die Westgoten wanderten über Italien bis nach Spanien, die Ostgoten hingegen bis Anatolien und wiederum Italien, ebenso wie die Langobarden.  

 

Die Teilung des Imperium Romanum

Mit dem Tod von Kaiser Theodosius I wurde im Jahr 395 die Teilung des Römischen Reiches in eine westliche und eine östliche Hälfte vollzogen. In beiden Hälften sollte ein Kaiser residieren, in Rom und in Byzanz. Im westlichen Teilreich residierte als erster Kaiser  Honorius, der jüngere Sohn von Theodosius. Da das Bürgerrecht (civitas romana) in beiden Reichen gleich blieb, war es wohl eher eine Teilung der Herrschaft.  Während das Weströmische Reich bereits 476 zugrunde ging, überlebte das Oströmische Reich bis 1453, dem Jahr der Eroberung von Byzanz durch Sultan Mehmet II. Dabei fand auch Kaiser Konstantin XI. den Tod. 

Die Gründe für den Zerfall von Westrom sind vielfältig. Man spricht von Dekadenz, dem Auftreten der Hunnen in der Völkerwanderung und inneren Bürgerkriegen. Vor allem durch den Einfall der germanischen Stämme (die Franken) und der Hunnen war das Ende des weströmischen Reichs absehbar.

 

Die Franken besiedeln Gallien

Das weströmische Reich endete mit der Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustus durch den germanischen Heerführer Odoaker im Jahr 476. Dieses Datum fiel in etwa zusammen mit dem  Einfall der Hunnen. Die Epoche der  Völkerwanderungen endeten in etwa mit dem Einfall der Langobarden in Italien im Jahr 568. Damit ist die Zeit der Völkerwanderung wohl das Bindeglied zwischen der Spätantike und dem was als das Frühmittelalter bezeichnet wird.

Mit den Einfällen der germanischen Stämme in das Römische Reich war um etwa 240 erstmals der Name der Franken aufgetaucht, als Besiegte des Kaisers Aurelian. Sie wurden militärisch stärker und politisch mächtiger, konnten aber Gallien oder die römischen Provinzen Germania Inferior und Belgica Superior zunächst nicht erobern. Als jedoch immer mehr Stämme über den Rhein ins Weströmische Reich eindrangen, mischten sich diese unter die Römer und die bereits romanisierten Kelten. 

 

 

 

Germanische Stämme im alten Westrom

In Gallien waren die germanischen Stämme schon während der Weströmischen Zeit immer wieder über den Rhein vorgedrungen. Nun besetzten sie aber Zug um Zug Gallien und die Karte von 481  zeigt, wo die einzelnen Stämme sich niederließen.  

  

Das Gebiet vom Rheinland bis zum Maasland und zur Mosel, war dabei von den Franken bevölkert. Sie sollten in den nächsten 500 Jahren unsere Geschick bestimmen. In unser Gebiet hielten die Rheinfranken Einzugweiter nördlich die Salfranken (siehe Karte oben: Fränkische Expansion bis zum 6. Jhd. - Quelle Wikipedia) . Es entstanden aber auch andere Reiche, wie die der Alemannen, der Burgunder  oder der Aquitanier im Süden des heutigen Frankreich. Sie alle sollten sich in den nächsten Jahrhunderten noch mit den Franken kriegerisch auseinandersetzen (Siehe Karte rechts: Gallien im Jahr 481 - Quelle Wikipedia)

 

Das älteste Königsgeschlecht der Franken waren die Merowinger, um deren Ursprung sich viele Sagen ranken. So wird auch behauptet, dass sie bereits zu Beginn des 4. Jhd. gegen Konstantin den Großen gekämpft hätten. Ihre gesicherte Existenz geht auf das 5. Jhd. zurück, als Childerich I 481/482 verstarb.

 

Der Ursprung der Merowinger

All dies erfuhren die Hauseter Schüler von ihrem bereits eingangs erwähnten Hauptlehrer Jules Cravatte, war diese Epoche doch auch der Beginn der Bekehrung zum Katholizismus, der Christianisierung der Franken.  Das Gebiet von Hauset lag im Zentrum dieses fränkischen Kernbereichs, auf halbem Wege zwischen Tongern und Köln. Die Karte zeigt das Frankenreich zur Zeit der Merowinger um das Jahr 486, gerade hatte Chlodwig I. das Königstum angetreten. Sein Vater Childerich I. war 481/482 verstorben, er war der erste bekannte Vertreter des Königsgeschlechts der Merowinger.   

 

Über Chlodwig lernten die Hauseter Schülerinnen und Schüler sogar ein Gedicht auswendig, welches der Hauptlehrer ihnen beibrachte. Denn ihm lag die Christianisierung am Herzen. 


Chlodwig der Frankenkönig (Gedicht)

Chlodwig der Frankenkönig

Auf Childerich I. folgte sein Sohn Chlodwig I (481/482 – 511). Entscheidend ist für ihn die Schlacht bei Zülpich (496), als die Alemannen ebenfalls nach Gallien vorzudringen versuchten. Der hart bedrängte fränkisch-merowingische König flehte während der Schlacht den christlichen Gott um Hilfe an und versprach, sich im Falle des Sieges taufen zu lassen. Die Schlacht wurde von Chlodwig gewonnen und die Allianz mit der Kirche führte zur Gründung eines Frankenreiches, das Hunderte von Jahren Bestand haben sollte. Chlodwig starb plötzlich am 27.11.511, nur 45 Jahre alt, nach dreißigjähriger Regierung. Er hatte das seit 407 zerstückelte Gallien wieder vereinigt hatte. Es war nicht mehr Teil eines Reiches (das Römische Reich hatte 476 aufgehört zu existieren), sondern ein eigener, lebensfähiger Staat. Die Grundlage für das spätere Frankreich war gelegt. Hauset befand sich im Westen des rheinfränkischen Gebietes. Die Karte zeigt die Eroberungen Chlodwigs und die Gebietsgewinne nach seinem Tod - Quelle: Wikipedia. 

 

Die Teilung des Frankenreiches nach Chlodwigs Tod

Nach dem Tode von Chlodwig I. im Jahr 511 wurde das Frankenreich unter seine Söhne geteilt. Das Land zwischen Rhein, Maas und Mosel wurde Theuderich I. zugeteilt. Gegen Süden und Osten konnten die Nachfahren das Reich noch weiter ausdehnen. Die späteren Nachfolger waren allerdings nachlässig in der Ausübung des königlichen Amtes. Sie wurden die faulen Könige genannt, erfuhren die Hauseter Schüler*innen. Das Reich zersplitterte wieder, wurde aber erneut von Chlothar I in den Jahren 558 – 561 vereinigt. Der Teil des Frankenreiches in dem Hauset lag, und mit ihm natürlich die gesamten umliegenden Städte und Dörfer, wurde Austrasien genannt. Dieses Land dehnte sich aus von der Rhein- und Maasmündung über Maastricht, Köln, Aachen, Reims, Trier bis zum Rhein nach Speyer und Mainz.

 

Südlich davon, Richtung St. Denis, Paris, Tours, Nantes, Sens und  Bourges lag das Land, das man als Neustrien bezeichnete. Noch weiter südlich davon lag Aquitanien (siehe Karte unten, von 628).

Karte der Teilung des Frankenreichs im Jahr 511 und Karte unten, das Herrschaftsgebiet der Merowinger - Quelle: Wikipedia)

 

Das Herrschergeschlecht der Merowinger

Ab etwa 687 entwickelten sich die Hausmeier der Merowinger zu königsähnlichen Verwalter. Der bekannteste war der Sohn  Pippins des Mittleren, Karl Martell (* 688-691). Karl Martell besiegte die aus Spanien vordringenden muslimischen Araber in der Schlacht von Poitiers (732). Alleine deshalb war er als Verteidiger des Christentums dem Hauptlehrer von Hauset eine Verehrung wert. Zu dieser Zeit liegt das Land zwischen Maas, Rhein und Mosel in Austrasien, wie dieser Teil genannt wurde. Auf Karl Martell geht der Hausname des Herrschergeschlechts der Karolinger, der westgermanischen Franken, zurück. Er starb 711 und auf ihn folgte sein Sohn Pippin der Jüngere. Dieser setzte nochmals 743 einen Merowinger-König ein, nämlich Childerich III. Er war der letzte König der Merowinger und wurde 751 abgesetzt. Damit wurde Pippin der Jüngere, mit päpstlichem Segen, zum König der Franken. Sein Sohn Karl, später Karl der Große genannt, wurde 771 König der Franken und er hatte das Ziel, alle germanischen Stämme in einem Reich zu vereinen.

 

 

 

Das Herrschergeschlecht der Karolinger und Karl der Große

Karl der Große wählte Aachen als Ort seiner Pfalz und somit zur Hauptstadt des Frankenreiches. Von der Ausdehnung des Reiches und den Eroberungen Karls wusste im Hauset der Nachkriegs- generation jedes Schulkind. So heißt es bei Janssen-Heitmann: Hauset, von Aachen nur durch einen bewaldeten Hügel getrennt, weist keine materiellen Spuren auf, aus denen abgelesen werden könnte, das es an dem Aufstieg Aachens Teil hatte. Hauset könnte zum Jagdgebiet von Kaiser Karl gehört haben. Dieser Gedanke war wohl noch in den Köpfen der Bewohner von Hauset in der Mitte des 19. Jhd. Als nämlich ein Reporter des „Echo der Gegenwart“ aus Aachen, gerade an der neu erbauten Kapelle verweilend, einen daherkommenden Mann fragte, wo denn Hauset gelegen sei, antwortet dieser: „Kaiser Karl‘s Hauset ist hier und wir sind mitten drin: seht Euch nur mal um.“ Auch die nahegelegene Eyneburg in Hergenrath wird in der Legende als ein Ort geschildert, an dem sich eine Tochter Karls des Großen mit ihrem Geliebten traf. Des Weiteren kann man aber kaum erwarten, für die 300 Jahre der germanischen Völkerwanderung und dem Ausbau des fränkischen/karolingischen Reiches Informationen zur Geschichte von Hauset zu finden, denn es gab noch keine Verwaltungsstruktur die es ermöglicht hätte, Daten und Informationen über Ereignisse in unserer Gegend zu sammeln und zu bewahren.

Die Quelle der Karte "Expansion des Frankenreichs unter Karl dem Großen" ist Wikipedia entnommen.

 

Die Teilung des Reiches Karls des Großen

Karl der Große wurde Weihnachten 800 von Papst Leo III zum Kaiser gekrönt. Er verstarb 814 in Aachen. Ihm folgte sein Sohn Ludwig I., genannt der Fromme (778-840). Ludwig gründete, wieder in unserer Gegend gelegen, in Kornelimünster 814 das Kloster an der Inde, welches von dem Abt Benedikt von Aniane geführt wurde. Zwischen den drei Söhnen Ludwigs gab es viel Zwist und drei Jahre nach seinem Tode kam es zur Teilung des Reiches. Mit dem Vertrag von Verdun von 843 erhielt Karl der Kahle das Land westlich der Schelde und südwärts davon, Lothar I. den mittleren Teil (Lotharingien) mit unserem Gebiet und Ludwig der Deutsche den östlichen Teil.

 

Hauset, wir nehmen mal an, dass es in irgendeiner Form existierte, war zumindest von Aachen aus betrachtet bis zur Göhl mit Wald bedeckt, ausgenommen davon vielleicht die durch Brandrodung entstandenen Heiden. Jenseits der Göhl, befand sich wohl auch ein Teil von Hauset, der geschichtlich dokumentiert ist. Er war an der Stelle der heutigen St. Rochus-Kapelle gelegen. Beweise für einen  Ursprung zu dieser Zeit gibt es allerdings nicht. 
(Karte aus dem Gemeingut von Wikipedia)

 

 

 

 

Die Teilung des Mittelreiches Lotharingien

Der mittlere Teil des Reiches wurde 855 mit der Reichsteilung von Prüm unter die Söhne Lothars I. nochmals aufgeteilt. Sein Sohn Lothar II., er verstarb 869,  erhielt den nördlichen Teil, Lotharingien oder Lotharii Regnum, von Friesland über Lüttich-Aachen und Verdun bis nach Besançon und Genf. Sein Sohn Ludwig II. (825-875) erhielt die Kaiserwürde und Italien, sein Sohn Karl von der Provence (er verstarb 863) erhielt das westfränkische Reich, die Provence und den Teil Burgunds der bisher zum Mittelreich gehört hatte. Mit der Teilung unter seine Söhne dankte Lothar I. ab und zog sich in die Abtei von Prüm zurück. Hier verstarb er bereits am 29. September 855 und ist auch dort beigesetzt. 

 

Und wo befand sich Hauset bei alledem? Unsere Gegend mit Aachen bis zur Maas lag wieder mittendrin in Lothringen (Lotharingien) und somit im Herzen des Mittelreiches.
(Karte aus dem Gemeingut von Wikipedia)

Der Vertrag von Meerssen

Im Jahr 870 kam es dann im Vertrag von Meerssen (ein Ort an dem Flüsschen Göhl gelegen, dort wo diese in die Maas mündet), erneut zur Teilung. Er galt hauptsächlich der Aufteilung Lotharingiens, denn Lothar II. war 869 bereits verstorben. Seine beiden Onkel, Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche, teilten Lotharingien nun auf.

Auf der Karte ist das Reich Ludwigs des Deutschen mit Sachsen, Ostfranken und Bayern in Blau markiert. Er erhielt also Holland, das Rheinland bis zur Maas mit Aachen und Meerssen, das heutige Elsass-Lothringen und Teile von Burgund hinzu. Ludwig machte seinen Sohn Ludwig III. zum König dieses hinzugewonnenen Teilreichs Lotharingien. 

Das Reich Ludwig II. umfasste Italien mit der Lombardei und dem Kirchenstaat.

Die Francia (Franzien) mit Aquitanien und Teile von Burgund fiel an Karl II., dem Kahlen. Er gewann auch 875 Italien hinzu und wurde zum römischen Kaiser gekrönt. Karl der Kahle verstarb 877.

Mit dem Vertrag von Ribémont von 880 zwischen dem Frankenkönig Ludwig III. und den Enkeln Karl des Kahlen, Ludwig III (Louis III.) und Karlmann, ging das westliche Lotharingien endgültig an das ostfränkische Reich. 

Und Hauset lag nach wie vor mitten im nördlichen Teil Lotharingiens.                                                 (Karte aus dem Gemeingut von Wikipedia)

 


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