Von der Bastille bis Waterloo

Die französische Zeit von der Revolution über die Republik bis zu Napoleon

Die Zeit der französischen Besatzung und Annexion unter Napoleon (1794 – 1814)

1789 kam es nicht nur zur Französischen Revolution und zum Sturm auf die Bastille, auch in den österreichischen Niederlanden, Limburg eingeschlossen, kam es zum Aufstand. Dieser Aufstand hatte die Proklamierung eines eigenständigen Staates, der Vereinigten belgischen Staaten, zur Folge. Nach wenigen Monaten kehrten die Österreicher allerdings zurück, wenn auch nicht für lange. Hauset zählte damals, entsprechend der Walhorner Aufzeichnungen, 332 Einwohner, was wohl auch den 66 Häusern entspricht, die wenige Jahre zuvor im Kataster verzeichnet wurden. Am 20. April 1792 erklärte Frankreich, das seit 1789 einen immer radikaleren revolutionären Kurs steuerte, Österreich den Krieg. Im November marschierten französische Truppen in die österreichischen Niederlande ein, und erreichten im Dezember bereits Limburg. Aachen fiel am 15. Dezember 1792. Die Franzosen konnten sich jedoch nicht lange halten und im März 1793 war das Herzogtum Limburg wieder in österreichischer Hand. Die Allianz gegen Frankreich war sich allerdings uneins und so gingen die Franzosen, nun als eine linksradikal beherrschte Republik, wieder in die Offensive. Der Sieg in Fleurus am 26. Juni 1794 öffnete den Revolutionsarmeen endgültig das Tor zu den österreichischen Niederlanden. Die Österreicher versuchten vergeblich das Herzogtum Limburg zu halten, aber 30.000 Franzosen überrannten die kaiserlichen Stellungen zwischen Sprimont und Aywaille am 17. September, drei Tage später waren sie in Clermont und sechs Tage danach in Aachen. Bis zum Rückzug sollten nun 20 Jahre vergehen.

 

Die zweite Besetzung unserer Heimat stand ganz im Zeichen einer rücksichtslosen Ausbeutung der eroberten Gebiete. So begann am 23. September 1794 in der Bank Walhorn eine systematische Plünderung, die keines Menschen Hab und Gut schonte (nach Minke). Ab dem 16. November 1794 gehörte die Bank Walhorn mit Hauset zum neu gegründeten „arrondissement Limbourg“, das der „administration d`Entre Meuse-et-Rhin“ mit Sitz in Aachen unterstand. Im Frühjahr 1795 ließ der Besatzungsdruck etwas nach, und am 1. Oktober 1795 verabschiedete der Nationalkonvent in Paris die „Vereinigung Belgiens und des Lütticher Landes“ mit der französischen Republik. Bereits am 31. August war es in den eroberten Gebieten zu einer neuen Verwaltungsstruktur mit neun „départements“ gekommen. Das Herzogtum Limburg wurde aufgelöst und ging am 8. November 1795 in das Ourthedepartement mit dem Verwaltungssitz Lüttich auf. Die alten Verwaltungseinrichtungen verschwanden also innerhalb weniger Wochen, ohne Übergang. An deren Stelle trat ein zentralisiertes, hierarchisiertes System, dass Minke in seinem Beitrag „Hauset im Zeitraffer“ (Heimatbuch Hauset Band 1) detailliert erklärte. Das Departement war eingeteilt in Kantone und zu Beginn des Jahres 1796 wurden die Quartiere Hergenrath und Hauset zu einer Verwaltungseinheit im Kanton Walhorn. Notar P.J. Hennen fungierte als Chefsekretär dieser Munizipalität. Der Kanton Walhorn hatte 8.811 Einwohner. Auf Kantonalsebene gab es 1796 bereits Wahlen (der männlichen „Bürger“) und im März 1797 fanden auch in den vereinigten belgischen Departements erstmals freie Wahlen statt. Eine Fülle von neuen Gesetzen regelte nun das Leben, um dieses an die neue Zeit anzupassen. Geburten, Trauungen und Sterbefälle wurden von einem Standesbeamten beurkundet, die neu angelegten Kirchenbücher hatten nur noch privaten Charakter.

 

 

Als ab 1797 die Geistlichkeit einen Hass-Eid auf das Königtum leisten musste, wurde die Unzufriedenheit in der Bevölkerung immer größer. In Flandern, im Kempenland und in Luxemburg kam es zu Erhebungen der Bauern (Klöppelkrieg), die aber letztendlich erfolglos waren. Doch der Unmut der Bevölkerung schwelte weiter. So wurde 1799 im Kanton Aubel ein antifranzösischer Komplott aufgedeckt, an dessen Vorbereitungen auch Einwohner des Kantons Walhorn beteiligt waren. Die Lütticher Zentralverwaltung sah sich veranlasst, über den Kanton Walhorn den Belagerungszustand zu verhängen. Die Gesetzesübertretungen nahmen aber kein Ende, besonders die Rekruten flohen ins benachbarte Rheinland, die Steuern wurden nur schleppend entrichtet und die verfolgten Priester übten ihren Dienst im Verborgenen aus.

Den Staatsstreich Napoleons vom 9. November 1799 nahm man im Kanton Walhorn wie auch in den übrigen vereinigten belgischen Departments kaum zur Kenntnis. Resignation hatte sich breitgemacht, schreibt A. Minke. Mit dem Konkordat von 1800 und den Gesetzen zum Religionsfrieden von 1801 wurden die Reibungsflächen in der Tat beseitigt und der Walhorner Dorfchronist Johann Caspar Scheen schrieb am 16. Mai 1802 das „… unser herr pastor widerum öffentlich meß am hohen altar gelesen habe.

 

Die Wirtschaft war schon Ende des Jahrhunderts in Schwung gekommen, und jetzt ordnete auch der „Code Napoleon“ die Rechtsprechung neu. Auch die Verwaltung wurde gestrafft. Die Departments wurden nun eingeteilt in Bezirke („arrondissements“). Es entstanden die Gemeinden („mairie“) und Hauset wurde ein Ortsteil der Gemeinde Hergenrath. Erster Bürgermeister war der bereits 1785 eingewanderte Munizipalagent Chabert, der bis 1814 Maire der „Mairie de Hergenrath“ blieb. Ihm folgte für kurze Zeit Nikolaus Monchamp(s).

Als Napoleon Kaiser wurde bekam unser Land etwas Ruhe und der Alltag normalisierte sich. Die Bewohner hatten sich angepasst: Nur die Wehrpflicht blieb weithin problematisch und viele Rekruten versuchten sich durch Flucht zu entziehen. Mit den vielen Kriegszügen Napoleons wurde die Stimmung immer gereizter und es wuchs die Ablehnung des neuen Regimes, zumal sich 1809 Napoleon auch wieder mit dem Papst überworfen hatte. Trotz des gescheiterten Russlandfeldzugs rechnete aber niemand hierzulande mit einem raschen Zusammenbruch des napoleonischen Kaiserreichs.

 

Um die Jahreswende 1813/1814 überquerten die Truppen des preußischen Feldherrn Blücher bei Mannheim, Kaub und Koblenz erstmals den Rhein. Die Franzosen verließen am 14. Januar 1814 auch Aachen und einige Wochen später tauchten in der Mairie Hergenrath eine aus Kosaken bestehende Vorhut der Alliierten auf. Am 19. Februar begannen die Einquartierungen, was der Bevölkerung wiederum eine schwere Last aufbürdete und u.a. eine blatternartige Seuche brachte.

 

Am 14. April 1814 wurde Napoleon zur Abdankung gezwungen, Frankreich wurde nun wieder von den Bourbonen regiert. Im Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 stimmte Frankreich seiner Beschränkung auf die Grenzen von 1792 zu und verzichtete auf das 1795 annektierte Belgien. Am darauf folgenden Tag wurde die Verwaltung des nördlichen Rheinlandes Preußen übertragen, das alsbald in Aachen ein „Generalgouvernement von Nieder- und Mittelrhein“ einsetzte. Der Generalgouverneur Johann August Sack teilte das besetzte Gebiet in „Kommissariate“ und diese wiederum in „Kreisdirektionen“. Bis zum 16. Juli 1815 gehörte der Kanton Eupen mit Hergenrath und Hauset zur Kreisdirektion Verviers, an deren Spitze der Aubeler Bürgermeister Nicolai stand.

 

Somit endete auch für Hauset die französische Besatzungszeit, die insgesamt zwanzig Jahre gedauert hatte. Keine sehr lange Zeit eigentlich, sie hatte trotzdem ihre Spuren hinterlassen. 

 

 


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