Theater Gaudium: Monsieur Henri und die Studentin

Auch im Januar  2026 spielte das Laientheater "Gaudium" in Hauset wieder ganz groß auf. An vier Abenden und zwei Wochenenden zeigte man die gemeine Komödie "Monsieur Henri und die Studentin" von FLORIAN. Austragungsort war wie immer die Mehrzweckhalle Hauset.
Der Reporter des Grenzecho, Klaus Schlupp schrieb aus diesem Anlass nach der Première eine ganz tolle Rezension, die den Erfolg der Theaterdarbietung bestens widerspiegelt. Wir geben hier den Text auszugsweise wieder, veröffentlicht im Grenzecho vom 26.01.2026. Ebenfalls zu finden auf Facebook GaudiumTheater

In Hauset zeigt Theater Gaudium, wie viel Spaß es machen kann, den menschlichen Abgründen beim Stolpern zuzusehen – inklusive Verführung, Wortwitz und sparsam eingesetztem Lokalkolorit.

Henri (Jannis Mattar) ist ein Stiesel und übler Kotzbrocken reinsten Wassers. Sohn Paul (David Peters) ist in den Augen des Alten ein Versager und Schwiegertochter Valérie (Melina Lauffs) hoffnungslos blöd. Aus Sorge um seinen kranken Vater schleust Paul dann die Studentin Constance (Anne Renardy) als Untermieterin in die Wohnung. Diese will Henri zunächst rasch loswerden, nimmt sie aber dennoch mit dem Hintergedanken auf, sie könne Paul verführen, damit der die „dumme Kuh“ in den Wind schießt.

„Die Studentin und Monsieur Henri“ ist eine jener köstlichen französischen Beziehungskomödien, die durch ihre Mischung aus Boshaftigkeit und Versöhnung und vor allem pointiertem Wortwitzes derzeit die Theaterbühnen der Welt fluten. Olivier Kirschvink, auf dessen Shirt der Schriftzug „ReBiersseur“ prangt, gelingt es gemeinsam mit seinen Mitstreitern, den Wortwitz des Originals punktgenau auf die Hauseter Bühne zu bringen.

Das würde nicht ohne das außergewöhnlich starke Spiel funktionieren, für das das Theater Gaudium bekannt ist. Beeindruckend ist insbesondere das Zusammenspiel von Mattar und Renardy sowie die Art, wie es beide schaffen, ihre Figuren glaubwürdig zu entwickeln. Unterstützt wird Mattar dabei durch die Maske von Cinthya Girkes, der es perfekt gelungen ist, den 33-Jährigen um 45 Jahre altern zu lassen. Auch im Spiel ist „der Alte“ überzeugend. Mattar bewegt sich langsam, gebrechlich und spricht mit gebrochener und verstellter Stimme, die er sich aus einer alten VW-Werbung abgeguckt hat. Renardy sticht besonders durch ihre gekonnt eingesetzte Mimik hervor. Ihr gelingt es, die Gefühle von Constance perfekt im Gesicht zu spiegeln, egal, ob es gilt, die Unverschämtheiten des Alten zu kommentieren oder den Sohn zu verführen. Auch gelingt es ihr beim „Klavierspiel“ Finger und Ton sicher zu synchronisieren.

Henri und Constance sind keine statischen, sondern dynamische Figuren, die im Lauf des Stücks immer neue Züge und Entwicklungen zeigen. Aus der zunächst berechnenden Constance, die Vater und Sohn abkassiert, damit der Sohn verführt wird und der Vater seine Medikamente bekommt, wird zunehmend eine unsichere und ständig versagende Person, die ihre Unsicherheit mit Wodka zu bekämpfen sucht. Der Alte hingegen ist nicht nur ein zynischer Ekel Alfred, sondern auch derjenige, der seiner Untermieterin väterlich Mut macht, ihren eigenen Weg zu entdecken und hinter dessen rauer Schale sich letztlich ein gutes Herz verbirgt.

Auch das zweite Paar überzeugt. Melina Lauffs zeigt eine tatsächlich nicht sonderlich helle und manchmal etwas bigotte Valérie, die aber trotz einer Crumbleschale mit Erbrochenem ebenfalls ein großes Herz hat. David Peters zeigt einen Paul, der sich im Lauf des Stücks aus seiner Verklemmtheit lösen kann, woran Constance maßgeblichen Anteil hat.

Sparsam, präzise und punktuell würzt Kirschvink die Inszenierung mit Lokalkolorit, der neben dem Wortwitz für kräftige Lacher im Publikum sorgt – egal, ob es Anspielungen auf das GrenzEcho oder die Erwähnung des langjähigen Regisseurs Günther Lorreng ist. Dabei gleitet das Stück allerdings trotz überbordender Komik zu keinem Zeitpunkt in schwankhaften Klamauk ab.

Beim Bühnenbild orientiert sich Kirschvink stärker als seine Vorgängerin Elfriede Belleflamme an dem, was früher unter Günther Lörreng üblich war. Auch Kirschvink legt Wert darauf, dass nur das auf der Bühne steht, was tatsächlich eine Funktion in der Inszenierung hat, auch wenn die Szenerie nicht so abstrakt ist wie beim Altmeister des Gaudium. Am Tisch sitzen die Protagonisten, am Klavier spielt Constance, auf dem Sessel ruht sich Henri aus.

Sorge um mangelnden Nachwuchs

Für Kirschvink ist es bereits die zweite Inszenierung, und der Wechsel vom Schauspieler zum Regisseur ist gelungen. Sorge bereitet ihm allerdings der mangelnde Nachwuchs. Ausdrücklich lädt er Menschen mit und ohne Theatererfahrung ein, sich beim Theater Gaudium zu melden. „Die brauchen keine Angst vor dem hohen Niveau haben“, verspricht er. Auch Anne Renardy und Jannis Mattar seien einmal Anfänger gewesen.

„Monsieur Henri und die Studentin“ bietet das, was der Zuschauer von diesem anspruchsvollen und semiprofessionellen Theater erwarten darf: Viele Lacher, eine spannende Handlung und eine anspruchsvolle Studie über die Abgründe menschlicher Beziehungen (www.theatergaudium.com)

 

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