Der Ortsvorsteher Johann Egidius Bischoff aus Hauset

(geboren 1812 - verstorben 1880)

Ortsvorstehers im 19. Jahrhundert (1847-1877)

 

Im Jahr 2022 gibt es einen besonderen Gedenktag in der  Dorfgeschichte von Hauset. Am 3. Januar 1872, dem Genoveva-Tag feierte die Ortsgemeinde von Hergenrath nämlich das 25-jährige Dienstjubiläum von Johann Egidius Bischoff, der seit 1847 Ortsvorsteher und zeitweise Bürgermeister von Hauset gewesen ist. Hauset gehörte vor dieser Zeit und auch danach zur Bürgermeisterei Hergenrath , konnte aber unter Bischoff eine gewisse Eigenständigkeit erreichen, so dass sie nach der preußischen Gemeindereform von 1845 sich für eine gewisse Zeit von Hergenrath loslöste, man kann sagen auch auf betreiben genau dieses Johann Egidius Bischoff. Der Beginn dieser Eigenständigkeit ist genau beschrieben in einem Beitrag des Heimatforschers Alfred Bertha aus Hergenrath, der lange Jahre Lektor der Zeitschrift "Im Göhltal" des Geschichtsvereins gleichen Namens ist. Den Beitrag haben wir hier als PDF Fassung wiedergegeben.

 

Woher stammte Johann Egidius Bischoff?

Auch hier zu können wir auf eine Veröffentlichung verweisen, welche in dem Heimatbuch Hauset - Band 2 wiedergegeben ist und welches 2012 erschienen ist. Wir möchten hier die wichtigsten Passagen wiedergeben. Diese Genealogie fußt auf Angaben die von Erwin Bruch (Kelmis) zusammengetragen wurden und die ergänzt wurden von Walther Janssen, dem Herausgeber des Heimatbuches. Auch Erwin Bruch hatte mehrere Familienchroniken in der Zeitschrift "Im Göhltal", oder auch an anderer Stelle veröffentlicht. 

 

Der Name Bischoff taucht schon im frühen 19. Jahrhundert in den Chroniken der Gemeinde Hergenrath auf und ist auch im „Seelenverzeichnis“ von Pfarrer Krichels aus Eynatten aus dem Jahre 1843 erwähnt. Noch vor dieser Zeit findet sich der Name Bischoff jedoch schon in den Kirchenarchiven der Pfarre Walhorn und der Pfarre Eynatten. Erwin Bruch konnte demnach die Vorfahren der Familie Bischoff, damals auch Buschoff und Biscop geschrieben, bevor sich Bischoff durchsetzte, bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen.

 

Zu der Zeit finden wir im Kirchenbuch von Walhorn den Namen des (I) Thomas Buschoff, geboren um 1620 und verstorben am 6.2.1692 „op Prister“. Thomas Buschoff heiratete Maria Roedheut aus Fossey, geboren um 1624 und verstorben zu Eynatten am 19.1.1698. Inzwischen war Eynatten eigenständige Pfarre und auch zuständig für die "Seelen" von Hauset.  Die beiden Flurnamen Prister (Prester) und Fossey sind heute noch im Dorf Hauset zu finden, heute auch als Straßennamen der Gemeinde Raeren. Man muss aber auch wissen, dass diese beiden Flure ziemlich genau an der Grenze zur Gemeinde Walhorn (heute Gemeinde Lontzen) liegen und bis an die Grenze von Eynatten reichen, hin zum Flur der heute Hagbenden genannt wird. Ein weiteres Indiz die Familie Bischoff dort zu verorten sind Eintragungen in alten Karten des späten 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert. Wir finden da nämlich einen Gutshof, „Bischofshaus“ genannt. Ob es sich nun genau um den Sitz der Familie Bischoff handelt kann derzeit nicht mit Sicherheit gesagt werden, es gibt jedoch starke Vermutungen dafür. Schließlich waren es ja im 19. Jahrhundert nur Grundbesitzer die ein Stimmrecht bei Wahlen hatten, und das traf sicher auch für die Grundbesitzer Bischoff zu.

Die Eheleute Buschoff-Roedheut hatten einen Sohn, (II) Johannes Bischoff, geboren „op Prester“ und am 22.2.1654 in Walhorn getauft. Er starb am 20.3.1725 in Eynatten. Joannes Bischoff heiratete am 1.9.1682 Maria Catharina Lamberts, getauft im Januar 1657 in Walhorn und verstorben am 15.4.1717 in Eynatten.

 

Das Ehepaar Johannes Bischoff - Catharina Lamberts hatte mehrere Kinder, nämlich Maria (1683-1715), Bartholomäus (* 1685), Aegidius (*1688) und Ricarda, genannt Regina (1690-1742), sämtlich in Eynatten getauft. Regina Bischoff heiratete am 27.4.1710 in Eynatten Renerus Brandt, der am 16.4.1686 in Montzen geboren wurde und am 14.4.1762 in Hauset verstarb. Im Kirchenbuch von Eynatten findet man die Namen von 12 Kindern.

 

Das dritte Kind der Eheleute Bischoff-Lamberts war der Sohn (III) Aegidius Bischoff, der am 4.2.1688 in Eynatten getauft wurde und am 8.5.1715 Gertrudis Peltzer aus Moresnet heiratete. Sie hatten neun Kinder. Das vierte Kind Cornelius Stephanus Bischoff wurde am 27.3.1724 getauft. Er wurde der Momber der Pfarre Eynatten. Cornelius war zweimal verheiratet und starb am 22.3.1796 in Hauset. Das sechste Kind war (IV) Jacobus Bischoff, der am 25.7.1726 in Eynatten getauft wurde und am 12.7.1792 dort verstorben ist. Er heiratete am 22.8.1751 in Eynatten Anna Maria Gertrud Lamberts aus Eynatten geheiratet. Sie war dort am 20.8.1728 getauft worden, sie verstarb am 14.5.1805 in Hardbenten. Hier taucht der Name Hagbenden erstmals auf, es kann sich um Hagbenden in Hauset handeln (nahe Buchenbusch) oder um Hagbenden in Eynatten (nahe Rovert). Am Flur Hagbenden in Hauset ist das oben erwähnte "Bischofshaus" zu lokalisieren, wobei man annehmen kann, dass die Eheleute dort auch wohnten. Anna Maria Lamberts war die Tochter des Eupener Schöffen Mathias Wilhelm Lamberts.

Die Eheleute Jacobus Bischoff und Gertrud Lamberts hatten sechs Kinder: Anna Maria Gertrudis, Mathias Wilhelm, Maria Anna Catharina, Agnes Sibilla, Aegidius Joseph (starb als Säugling) und Aegidius Joseph.

 

Dieser (V) Aegidius Joseph Bischoff  wurde am 6.10.1761 in Eynatten getauft. Er verstarb am 30.1.1829 in `Hardbenten´. Diesen Namen finden wir dann auch im Hauseter Seelenverzeichnis von 1843 von Pfarrer Krichels aus Eynatten. Daraus kann man schliessen, dass es sich um den heute Hagbenden genannten Flurnamen in Hauset handelt. Aegidius Joseph Bischoff heiratete am 13.4.1795 Anna Maria Reinarts, die am 14.4.1771 in Henri-Chapelle geboren wurde. Die Eheleute hatten neun Kinder, die wohl allesamt in Hardbenden geboren wurden. In Hauset finden wir nun einige Personen wieder, die im Seelenverzeichnis genannt wurden, zum Beispiel im Haus Nr. 3 „an den Windmühlen“. Dieser Flurname ist ebenfalls in der Nähe von Hagbenden.

 

Unter Nummer 3 „an den Windmühlen“ sind erwähnt: Anna Maria Gertrud Bischoff (*1795); Johannes Wilhelm Bischoff (*1805) – er war Gemeindeförster von Hauset und ein großer Wohltäter der Pfarre, er starb 27.7.1866; die Witwe Aegidius Joseph Bischoff.

Im Haus Nr. 16 in „Hauseth“ sind erwähnt (VI) Johannes Aegidius Bischoff, geboren am 8.3.1812 in Hauset, getauft am 9.3.1812 in Eynatten. Dies ist der Johannes Egidius Bischoff den wir hier als Ortsvorsteher feiern. Das Haus Nr. 16 ist eindeutig nicht mehr auf Hagbenden oder Prester, sondern in `Hauseth´, was im Bereich der Rochus-Kapelle gelegen sein kann. Johann Egidius heiratet am 3.2.1837 in Raeren Barbara Tychon (Tichon) (8.4.1810-7.9.1860). Mit Ihnen wohnte die Tochter Johanna Maria Josepha Bischoff sowie der jüngere Bruder Joseph Bischoff.

 

Der Werdegang des Johann Egidius Bischoff

Johann Egidius Bischoff war zunächst Beigeordneter Bürgermeister von Hergenrath und Ortsvorsteher von Hauset bevor er 1847, wie eingangs erwähnt, auch Gemeindevorsteher von Hauset wurde,. Im Zuge der preußischen Gemeindereform von 1845 konnte Hauset eine gewisse Eigenständigkeit von Hergenrath erringen, mit eigenem Standesregister und Gemeindehaushalt.

 

Für die Gemeinde hat Johann Egidius Bischoff im 19. Jahrhundert Bedeutendes geleistet. So fallen in seiner Amtszeit als Ortsvorsteher wichtige Bauprojekte der Gemeinde, 1848 der Bau der Communalstraße von Eynatten über Windmühlen, Rochus-Kapelle bis nach Vestert. Im Jahr 1854 begann der Bau der Hauseter Dorfschule, 1859 der Bau der Pfarrkirche St. Rochus und 1861 der Bau des Pfarrhauses (das Pastorat). So war in kürzester Zeit ein neuer Dorfkern entstanden, wir nennen ihn mal Hauset Mitte, in Abgrenzung zu Alt Hauset rund um die Rochus-Kapelle und das später entstehende neue Villenviertel in Neu Hauset am Aachener Busch.

 

In seiner Dienstzeit wurde Hauset 1861 zur eigenständigen Pfarre erhoben, und löste sich damit von der Pfarre Eynatten. Die Pfarrerhebung geschah auch auf Betreiben von Johannes Egidius Bischoff. Erster Pfarrer war Martin Strom, ihm folgte acht Jahre später Wilhelm Brammertz. Mit diesem lag J.E. Bischoff manches mal im Clinch, allerdings war dies auch in den Folgen des Kulturkampfs begründet. (STRASSE). Brammertz war Pfarrer als Bischoff im Saal Hermann Jos. Gatz 1872 sein Dienstjubiläum feierte. 1877 legte Johann Egidius Bischoff seine Ämter nieder und von nun an gehörte Hauset wieder zu Hergenrath. Ortsvorsteher von Hauset wurde Jos. Timmermann.

 

Johannes Egidius Bischoff verstarb am 17.11.1880 zu Hauset, seine Frau Barbara Tychon war bereits 1860 verstorben. Ihre Tochter Maria Bischoff (*10.5.1832 – Ɨ15.6.1913, jeweils in Hauset) heiratete Peter Joseph Bohlen, der in Buschmühle/Büsbach geboren wurde. Es war dies wohl um 1867 der Beginn der Spinnerei Bischoff & Bohlen in der Fingerhutsmühle zu Hauset. Es war bestimmt wieder kein Zufall, dass die Spinnerei Bischoff & Bohlen in der Fingerhutsmühle an der Göhl ihren Firmensitz fand. Peters Bruder Jakob Joseph Bohlen hatte nämlich 1866 Caroline Scheibler in Brand geheiratet. Sie war nicht nur eine Verwandte der Familie des Eupener Tuchfabrikanten und Landrats Scheibler, sie war auch verwandt mit der Familie des Textilfabrikanten Nellessen aus Aachen, der die Fingerhutsmühle gehörte und dort seit 1825 eine Spinnerei betrieb. 1867 wurde zumindest der Concessionsantrag für das Betreiben einer Spinnerei eingereicht. Die Familie Bohlen rettete diese Spinnerei über zwei Weltkriege hinweg bis 1956, als die Liegenschaften veräußert wurden.

 

Hierzu ist mehr zu finden in der Familienchronik der Familie Bohlen.

 

Das Grabkreuz der Familie Bischoff befindet sich noch heute auf dem Hauseter Friedhof hinter der St. Rochus Kirche. Ebenso befindet sich das Familiengrab der Familie Bohlen nach wie vor auf dem Friedhof von Hauset

 


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