Raubritter von Reifferscheidt

Erzählung in Raerener Platt und Hochdeutsch von Hubert Schiffer

Eine kurze Zusammenfassung der Erzählung

„Raubritter von Reifferscheidt“ oder „Tringe-Männchens-Klossen-Tringche 1438“

von

Hubert Schiffer

 


Bei der Erzählung handelt es sich um eine fiktive Lebens- und Liebesgeschichte aus Raeren um 1438 mit einem realen historischen Hintergrund, der allerdings im Laufe der Jahrhunderte auch der Legendenbildungen ausgesetzt gewesen sein mag und so dass die historischen Geschehnisse manch eine Anreicherung oder Ausschmückung erhalten haben könnten.

Die Geschichte beginnt in der fiktiven Raerener Dorfwirtschaft „Schwatzes Pääd“. Dort treffen sich die Raerener Männer, insbesondere die Fuhrleute. Einer von ihnen ist Wilhelm, ein Junggeselle, der in Heck lebt, viel Lebenserfahrung hat, sehr sachkundige und empathisch ist. So ist es nicht verwunderlich, dass er sich der Beziehung von Jan und Kathrin annimmt, die von Anfang an unter keinem guten Stern steht. Erstes ist da nämlich Jakob bzw. Jaköbchen, ein unreifer Junge, der ein Auge auf Kathrin, die Tochter des Wirtes geworfen hat und meint, dass auch kein anderer als er in Frage käme, weil er der Sohn des reichsten Raereners ist. Zweitens ist auch der Vater von Kathrin gegen diese Beziehung, da er sich für seine Tochter eine lukrative Verbindung wünscht, eben mit Jaköbchen, der mal ein gutes Vermögen erben wird. So entsteht immer wieder nicht nur Streit zwischen Jan und seinem Schwiegervater in spe, sondern auch zwischen Kathrin und ihrem Vater. Das ganze hin und her spielt sich in der Dorfschänke „Schwatzes Pääd“ ab, wo Wilhelm immer wieder versucht Streit zu schlichten und zu moderieren.

Dann macht auf einmal ein Dieb Raeren unsicher und alle Raerener fürchten um ihr Erspartes, ihre Rücklagen und sonstigen Wertgestände. Auch Kathrins Vater hat Angst um sein Erspartes und so vergräbt er Tontöpfe in seinem Garten, in denen er vorher seine Schätze gesteckt hat. Was er nicht weiß ist, dass auch Jan in der Nähe des Gartens ist, weil er dort mit Kathrinchen einen heimlichen Treffpunkt hat. Auch der Dieb liegt in der Nähe auf der Lauer, um den Schatz von Kathrins Vaters zu stehlen, ahnt aber nichts von der Anwesenheit Jans. Der erkennt seine Chance die Anerkennung von Kathrins Vater zu bekommen, lässt den Dieb die Töpfe stehlen, verfolgt ihn, bis dieser seine Beute in einem Gebüsch an der Hohen Brücke am Periolbach versteckt, schlägt dann zu und schleppt den verschnürten Dieb zum „Schwatzen Pääd“ Aber der bestohlene Vater reagiert unerwartet und beschuldigt Jan mit dem Diebstahl etwas zu tun zu haben. Auch Kathrin kann nicht vermitteln und Jan zieht verbittert ab und hat auch für Kathrin kaum einen Blick mehr übrig.

Der Dieb findet außerhalb der Gerichtsbarkeit der Bank Walhorn im Herzogtum Limburg auf dem Gebiet von Roetgen bei Petergensfeld und dem Pissevenn den Tod am Galgen, jenseits der Weser, die man wohl als Grenze zum Herzogtum Luxemburg ansah. Dort entdecken Tage später die Raubritter von Reifferscheidt den Mann am Galgen, und als sie erfahren, dass das ein Werk der Raerener „Pottbäcker“ war, sinnen sie auf Vergeltung, betrinken sich aber erst einmal, um in Stimmung zu kommen, um danach dann über Raeren herzufallen. Die Raerener wurden aber inzwischen gewarnt, versammeln wehrhafte Männer aus ganz Limburg um sich, von Eupen über Walhorn nach Hauset und so fort. Aus allen Ecken kamen Bauern und Ritter mit ihren Leuten. In Raeren brennen bereits die ersten Häuser, während Jan und Wilhelm es gerade noch schaffen Kathrin und ihren Vater vor den mordenden Ritter zu retten.

 

Alle finden in der Burg Raeren, der Burg Titfeld und der Knoppenburg Zuflucht. Die Raubritter feiern bereits den vermeintlichen Erfolg, betrinken sich erneut und sind so total unvorbereitet, als die Limburger über sie herfallen, in die Flucht schlagen, bis nach Aachen treiben und verfolgen. Die rückkehrenden Kämpfer werden tags später frenetisch gefeiert, insbesondere Jan, der einer der tatkräftigsten Kämpfer und Retter war. Auch Jaköbchen erkennt das neidlos an und auch Kathrins Vater hat keine Bedenken mehr, das nun Jan und sein Kathrinchen ein Paar sind.

 

Das Buch

„Raubritter von Reifferscheidt“ oder „Tringe-Männchens-Klossen-Tringche 1438“

von

Hubert Schiffer

wird in einer Neuauflage von seinem Urenkel Christoph Laschet aus Raeren mit einer Übersetzung ins Hochdeutsche vom Dorfarchiv Hauset/Raeren herausgebracht.

Bei dem Autor handelt es sich um den bekannten Raerener Schriftsteller, Heimatdichter und Künstler (Töpfer) Hubert Schiffer. Er wurde am 23.12.1851 in Raeren geboren und verstarb am 27. März 1923 in Rheinberg. Der 27. März dieses Jahres ist sein 100. Todestag.

Hubert Schiffer wurde als Sohn des Steingrubenbesitzers und Steinhauers Johann Schiffer und dessen Frau Maria-Josephina Mennicken in Raeren-Bergscheid geboren. Nach der Volksschule begann er bei seinem Vater die Lehre als Steinmetz. Er besuchte die Aachener Gewerbeschule und vertiefte dort sein theoretisches Wissen. Autodidaktisch beschäftigte er sich nicht nur mit berufsverwandten Techniken (Zeichnen und Modellieren), sondern auch mit der französischen Sprache, mit Dichtung und Literatur. 1874 heiratete er Anna Barbara Creutz aus Raeren. Zuerst wohnten sie Bergscheid in dem Haus, in dem auch über lange Zeit die Post von Raeren untergebracht war. 1880 erwarb er dann einen Teil des Steinbruchs in Raeren-Pützhag und zog auch mit seiner Familie dorthin. Das Ehepaar Schiffer war sehr musikalisch, so dass in ihrem Haus in Pützhag mit ihren 14 Kindern auch viel musiziert und gesungen wurde. Auch als Erwachsener besuchte er weiterhin Kurse am Aachener Polytechnikum. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Steinmetz startete Hubert Schiffer auf Anregung des damaligen Kaplans und Amateurarchäologen Johann Peter Schmitz hin, am 1. Juni 1883 mit Hilfe verschiedener alter und jüngerer Töpfermeister, wie Johann Josef Pitz-Mathissen, Leonhard Mennicken und J. M. Mennicken, eine neue Kunsttöpferei, die auf die spätmittelalterliche Blüte dieses Raerener Handwerks im 16. Jahrhundert zurückgreifen wollte. Material und Verfahren waren ähnlich, doch Ornamente der neuen Töpfe gehen auf Hubert Schiffer selbst zurück. Da er bald bemerkte, dass sein Wiederbelebungsversuch des Töpfereigewerbes nicht von Dauer sein würde, beschloss er die Raerener Geschichte als Heimatdichter zu dokumentieren.

Nach ersten Erfolgen mit dem Volksstück mit Gesang „Die Raerener Kunsttöpfer vor dreihundert Jahren“ – das seit 1883 in Raeren immer wieder mit Erfolg aufgeführt wurde – veröffentlichte er 1895 „Die Kunsttöpfer von Raeren“, ein Sang und Epos aus Raerens Vergangenheit. Fünf Jahre später folgte dann 1900 die Erzählung „Raubritter von Reifferscheidt“ in Alt-Raerener Mundart mit dem Untertitel „Tringe-Männchens-Klossen-Tringche 1438“. Als nächstes schrieb er Erzählungen aus der Heimat „Der Tannenhof“, ebenfalls in Raerener Mundart, der 1910 in Eupen beim Verlag Esch & Co. erschien. Ebenfalls von 1910 ist der „Steinmetz-Lehrling“ aus Koepper’s Handwerkerbibliothek, ein praktischer Ratgeber, der von „Steinmetzmeister“ Hubert Schiffer bearbeitet wurde. Sein (fast) letztes Buch (s.u.) – Roman der Raerener Töpferei „Ein verschollenes Kunsthandwerk“ – aus dem Jahre 1920 wurde im Helios-Verlag 2002 posthum herausgegeben.

Das Dorfarchiv Hauset/Raeren nimmt nun den 100. Todestag von Hubert Schiffer am 27.3.2023 zum Anlass eines seiner Werke – die Erzählung „Raubritter von Reifferscheidt“ – in einer Neuauflage neu zu veröffentlichen, die mit einer Seite für Seite parallel gesetzten Übersetzung ins Hochdeutsche und mit zusätzlichen historischen Betrachtungen von Prof. Dr. Alfred Minke (Eupen) und Karl Reger (Giescheid/Reifferscheid) sowie mit einem Alt-Raerener Glossar verbunden ist.

Nach einem wirkungsreichen Leben siedelte Hubert Schiffer dann mit seiner Frau 1911 nach Rheinberg am Niederrhein, wo bereits drei ihrer Kinder lebten. Am 27. März 1923 starb Hubert Schiffer im Haus der Familie seiner ältesten Tochter Josephine, die 1909 in Raeren den Stuckateur Johann Hubert Laschet genannt „Düstisch Beppe Johann” geheiratet hatte. Hubert Schiffer ruht mit seiner Frau auf dem Rheinberger Friedhof am Annaberg, wo auch noch mit Wilhelm, Josef, Josephine, Carl und Berta fünf ihrer Kinder ihre letzte Ruhe fanden. Ihr Sohn Carl ist der Urgroßvater und somit Hubert Schiffer der Ururgroßvater des bekannten Fotomodells Claudia Schiffer.

 

Hubert Schiffer zählt auch heute noch zu den 100 bekanntesten Persönlichkeiten Ostbelgiens. Viele seiner Krüge finden sich unter anderem im Töpfereimuseum Raeren. Zwei seiner Krüge sind auch im Dorfarchiv Hauset zu sehen. Sie stammen ebenso wie das handschriftliche Manuskript der „Kunsttöpfer von Raeren“ und einem bis jetzt unveröffentlichtem Werk von Hubert Schiffer aus seinem Nachlass, die sein Urenkel Christoph Laschet von seinem Vater und seiner Patentante dann später vererbt bekam und alle dem Dorfarchiv Hauset (Staatsarchiv Eupen) 2023 als Dauerleihgabe übergeben hat. 

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